Auf den Spuren der deutsch-polnischen Geschichtsstunden 

Verfasst am . Veröffentlicht in Neues aus der Schule allgemein

Die Schule am Schloss beteiligt sich an einem historischen Projekt zum Um- und Ausbau des Museums für das größte Lager für polnische Offiziere im 2. Weltkrieg, die im damaligen Woldenberg interniert wurden. Die rein bauliche Maßnahme soll durch sog. „weiche Projektteile“ flankiert werden. Die Projektpartner sind die Gemeinde Dobiegniew und der Berliner Verein Fantom e.V., der Verein zur Förderung von Kunst und geschichtlichem Bewusstseins.

Der Name des Projektes beinhaltet gleichzeitig eine inhaltliche Zielrichtung. Der Titel des Projekts heißt nämlich: „Um- und Ausbau des Museums der Woldenberger zugunsten der grenzüberschreitenden Kooperation in Sachen Tourismus. (Projektnummer: 85029101)“

Beide Partner behandeln gemeinsam das schwierige Kapitel der deutsch-polnischen Geschichte, indem sie nicht nur parallel Begegnungen der Historiker und einen kontinuierlichen Jugendaustausch zwischen Dobiegniew und Berlin in Form von Geschichtsstunden organisieren, sondern die Vertragspartner informieren darüber die deutsch-polnische Öffentlichkeit und geben gemeinsam Bücher heraus, die sie öffentlich auf der Buchmesse in Leipzig vorstellen möchten. Das Projekt wird aus den Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des „INTERREG VA 2014 – 2020“ unterstützt.

logo projektu

 

Herb Dobiegniewa  01 Fantomitza Neagra 
 Wappen der Gemeinde Dobiegniew  Fantom e.V

In der Zeit vom 23. bis 26.08.21 fand im Rahmen des Projektes eine weitere Schülerfahrt nach Dobiegniew (ehem. Woldenberg, Nm) statt. Gleich nach der Ankunft wurde unter der Führung eines Reginalisten, Herr Norbert Gierlowski, die Stadt erschlossen.

Es stellte sich dabei heraus, dass die Pflastersteine des alten Marktplatzes, die Steine in der Kirche und in etlichen Häusern zwei Sprachen verstehen: Deutsch und Polnisch. Denn bis Ende Januar 1945 wurde die Stadt von Deutschen bewohnt und danach von Polen.


Die spätmittelalterliche Marienkirche bietet eine perfekte Kulisse für eine multikulturelle Begegnung. Sie ist im Jahr 1335 erbaut und wurde im 16.Jahrhundert evangelisch geweiht. Erst 1945 ist sie katholisch umgeweiht. Die deutsche Schülergruppe besteht aus Katholiken, Protestanten, Moslems und konfessionsfreien Schülern. Die polnische Gruppe ist katholisch. 


Bis 1945 hieß der einzige aus dem Mittelalter stammende Verteidigungsturm das Storchennest. Oben hatten sich nämlich Störche ein Nest gebaut und fühlten sich von den Anwohnern nicht gestört.

Am nächsten Tag der Polenfahrt ging die deutsch-polnische Schülergruppe zu Fuß zum früheren Lager für polnische Offiziere „Woldenberg II C“. Dort wird gerade das Lagermuseum im Rahmen des Projektes INTERREG VA 2016-2020 mit den Mitteln der Europäischen Gemeinschaft umgebaut. Die Mittel dieses Projektes haben auch die Reise der Berliner Jugendlichen nach Polen bezuschusst. Einen Anteil trägt die Gemeinde Dobiegniew und ihr Berliner Projektpartner Fantom e.V.

Die früheren Baracken im wirtschaftlichen Teil des Offizierslagers werden inzwischen von den Bewohnern der Stadt eingelebt und mit viel Aufwand umgebaut.



Die Hauptstraße des Lagers zieht sich mehrere Hundert Meter hin und bietet auf dem Gelände, inzwischen ohne jegliche Bauten aber mit wild wuchernden Sträuchern und Bäumen, eine weitere Möglichkeit über den Lauf der Zeit nachzudenken.


Gleich hinter dem Lager, an der Stelle des früheren Friedhofs für die Lagerinsassen, hielten die Schüler kurz inne und schauten geduldig in die Kamera, um ein weiteres Andenken an die Reise zu bekommen.


Am Nachmittag wendeten sich die Schüler aus beiden Ländern dem „Hier und Jetzt“ zu und gingen in binationalen Teams in die Kajaks und Tretboote hinein. Der touristisch gut erschlossenen See in Osiek (ehem. Wutzig) bietet vielfältige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung an.



Am Lagerfeuer saßen die die Schüler*innen bis es dunkel wurde. Dann wurden sie mit dem Bus zu ihrem Quartier gefahren. Da es bis zur Nachtruhe noch Zeit genug war, wurden die neuen Bekanntschaften unter den Projektteilnehmer*innen beim Spazierengehen am Großen See in Dobiegniew vertieft.



 

Das straffe Programm ging am nächsten Tag weiter. Die deutsch-polnische Schülergruppe besichtigte unter einer Führung das Heimatmuseum der Kreisstadt Drezdenko (ehem. Driesen).

Der Unterbau des späteren Speichers haben die Schweden während ihrer Stadtbesetzung als Pulverkammer erbaut. Die Schüler der beiden Länder wunderten sich sehr, als sie erfuhren, dass diese sich mitten in der auf Geheiß des Friedrichs des Großen erbauten Zitadelle befand. Friedrich war auch der Erbauer des Schlosses Charlottenburg, das Schüler*innen aus beiden Länder im Rahmen des Projektes im November 2019 besichtigt hatten.

Die Pulverkammer war der Geschichte der Stadt Driesen, heute Drezdenko, gewidmet. In der ersten Etage wird eine große Ansammlung der Nutzgegenstände aus der Vorkriegszeit präsentiert.





Die oberste Etage des Museums ist der Tierwelt dieser an Waldreichtum kaum zu überbietenden Umgebung gewidmet. In den letzten Jahren wurden dort auch - die in Europa sehr selten anzutreffenden - Bisents in den umliegenden Wäldern heimisch.

Am Nachmittag des dritten Reisetages gab es einen Malwettbewerb zum Thema „Lager Woldenberg II C in meinen Augen“. Nur fünf Personen malten allein an ihrem Bild. Es gab zudem binationale Teams und Teams aus demselben Land. In allen Kategorien gab es Sieger*innen.


Siegerinnen in der Kategorie einsprachige Teams: Aleyna und Silvia aus Berlin.

Sieger in der Kategorie der zweisprachigen Teams: Hania, Anja und Homayoon.

Siegerinnen in der Kategorie binationale/zweisprachige Teams: Martyna und Josephine.

Sieger in der Kategorie binational/einsprachig:Martyna und Bartek.

Siegerin in der Kategorie Einzelarbeiten: Acelya aus Berlin.

Neben den Gewinnpreisen beim Malwettbewerb nahmen alle Schüler*innen auch Geschenktüten des Gastgebers mit nach Berlin. Außerdem wurden Kontaktdaten getauscht und einige Schüler*innen bleiben seitdem in Kontakt. Aber eigentlich wollten alle länger bleiben, weil neben dem interessanten historischen Programm gab es genug Zeit, sich auf die tolle Umgebung der Stadt Dobiegniew und ihre unheimlich herzlichen Gastgeber einzulassen.

Nun werden die polnischen Schüler zum Gegenbesuch in Berlin erwartet.

Drucken